Erntehelfer bleiben länger im Einsatz und arbeiten öfter für mehrere Höfe

Erntehelferinnen und Erntehelfer sind in Südtirol vor allem bei der Apfelernte wichtig. Foto: pexels.com Das Foto darf nur im Rahmen dieser Pressemitteilung verwendet werden
Erntearbeit bleibt ein bedeutender Bestandteil des heimischen Arbeitsmarktes. Nach Angaben der Arbeitsmarktbeobachtung des Landes waren in den vergangenen vier Jahren jährlich im Schnitt rund 17.000 Erntehelferinnen und Erntehelfer bei etwa 3150 Bäuerinnen und Bauern beschäftigt. Im Durchschnitt arbeiteten sie 49 Tage, vor allem bei der Apfelernte, in geringerem Ausmaß auch bei der Weinlese.
Die Zahl der eingesetzten Arbeitskräfte hat sich seit etwa 2015 laut Analyse kaum verändert. Gleichzeitig ist das gesamte Arbeitsvolumen gestiegen. Der Grund liegt demnach nicht in mehr Beschäftigten, sondern darin, dass einzelne Helfer länger pro Saison arbeiten.
Längere Verträge und mehr Einsätze bei mehreren Betrieben
Zu Beginn der 2000er-Jahre hatten weniger als fünf Prozent der Erntehelfer mehr als einen Vertrag pro Saison. Inzwischen arbeitet mehr als ein Fünftel innerhalb derselben Saison für mehrere Betriebe. Auch die einzelnen Beschäftigungsverhältnisse dauern länger: Wer nur für einen Hof tätig ist, kommt mittlerweile im Durchschnitt auf etwa 43 Vertragstage, nach rund 30 Tagen zu Beginn der 2000er-Jahre.
Stefan Luther, Direktor der Abteilung Arbeitsmarktservice, sieht darin eine zunehmende Kontinuität dieser saisonalen Beschäftigung. Die steigende Zahl an Vertragstagen gehe heute nicht mehr in erster Linie auf zusätzliche Erntehelfer zurück, sondern darauf, dass dieselben Personen länger und häufiger für mehrere Bauern arbeiten.
Deutliche Unterschiede zeigt die Auswertung zwischen den einzelnen Anbaugebieten. Im Mittelvinschgau beschäftigt beinahe die Hälfte der Betriebe mindestens zehn eigens für die Ernte eingestellte Personen. In den Talgemeinden zwischen Meran und Salurn liegt dieser Anteil dagegen unter 15 Prozent.
Rückkehr hängt stark von Erfahrung ab
Ob Erntehelfer in der folgenden Saison wiederkommen, hängt laut Analyse vor allem von ihrer bisherigen Beschäftigungskontinuität ab. Rund 40 Prozent nehmen die Tätigkeit im darauffolgenden Jahr nicht erneut auf. Von jenen, die erstmals beschäftigt wurden, kehren nur rund 30 Prozent in der nächsten Saison zurück. Wer hingegen bereits in den fünf Vorjahren ohne Unterbrechung als Erntehelfer gearbeitet hat, kommt mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent wieder.
Arbeitslandesrätin Magdalena Amhof verweist darauf, dass Erntearbeit öffentlich oft zu wenig wahrgenommen werde, obwohl sie für den Arbeitsmarkt wichtig sei. Zugleich werde es in ganz Europa schwieriger, Erntehelfer zu gewinnen. Deshalb sprach sie sich dafür aus, den Arbeitskräftebedarf neben technischem Fortschritt verstärkt auch vor Ort zu decken. Als Möglichkeit nannte sie einfache und unbürokratische Beschäftigungsmodelle, die etwa auch rüstige Seniorinnen und Senioren für einige Wochen zur Mitarbeit motivieren könnten.