Folgen des Teileinsturzes

Provisorischer Sitz für Bozner Gericht steht fest

Francesca Bortolotti, Christian Bianchi und Karin Dalla Torre berichten über die nächsten Schritte. Foto: LPA/Fabio Brucculeri

Gut eine Woche nach dem Teileinsturz des Gerichtsgebäudes am Gerichtsplatz laufen die Sicherungsarbeiten weiter. Nach Angaben von Landesrat Christian Bianchi liegt der Schwerpunkt derzeit darauf, die Baustelle abzusichern und weitere Schäden oder Einstürze zu verhindern.

Die Trümmer des eingestürzten Teils des Bozner Gerichtsgebäudes werden vorsichtig abgetragen.
Die Trümmer des eingestürzten Teils des Bozner Gerichtsgebäudes werden vorsichtig abgetragen. | Foto: LPA/Fabio Brucculeri

Besonders wichtig sei die Stabilisierung der Fassade. Dafür sei bereits ein Auftrag zur Errichtung eines Gerüsts vergeben worden. In den kommenden Tagen sollen entlang aller Gebäudeflügel Sensoren angebracht werden, um Erschütterungen und mögliche Bewegungen zu überwachen. Das diene auch der Vorbereitung des Umzugs der nötigen Einrichtungen an den neuen Standort.

Für den provisorischen Gerichtssitz ist nach den Worten Bianchis inzwischen eine Lösung gefunden. Eine Markterhebung habe 20 Angebote ergeben, vier besonders geeignete Objekte seien in einer ersten Sitzung ausgewählt und bereits besichtigt worden. Die formelle Festlegung und Bekanntgabe des Ausweichsitzes soll Mitte kommender Woche erfolgen.

Die Sicherung der Fassade und der intakten Gebäudeteile hat derzeit Priorität.
Die Sicherung der Fassade und der intakten Gebäudeteile hat derzeit Priorität. | Foto: LPA/Fabio Brucculeri

Verhandlungen werden automatisch verschoben

Gerichtspräsidentin Francesca Bortolotti betonte, dass die Justiz in Bozen trotz der Schäden ihren Betrieb nicht eingestellt habe und auch nicht einstellen werde. Der Ministerrat habe am 23. Juli ein Gesetzesdekret verabschiedet, das die automatische Verschiebung aller zwischen 16. Juli und 30. September angesetzten Verhandlungen vorsieht.

Dringende und unaufschiebbare Tätigkeiten blieben aber gewährleistet, sagte Bortolotti. Alles, was während der Gerichtsferien sichergestellt werden müsse, werde bereits jetzt organisiert. Der Unterschied zur üblichen Regelung bestehe in einer um einen Monat verlängerten Gerichtsferienordnung.

Das historische Archiv in den Kellerräumen soll gesichert, gereinigt und restauriert werden.
Das historische Archiv in den Kellerräumen soll gesichert, gereinigt und restauriert werden.

Rettung von Kunstwerken und Archivgut geplant

Neben der Funktionsfähigkeit des Gerichts rückt nun auch der Schutz der Kulturgüter im Gebäude in den Blick. Landeskonservatorin Karin Dalla Torre verwies darauf, dass Kunstwerke in einem solchen Haus zur Würde der Institution beitrügen. Gemeinsam mit einem spezialisierten Restaurator solle deshalb gesichert werden, was noch gerettet werden kann, um die Werke später wiederherzustellen.

Als besonders bedeutend bezeichnete Dalla Torre zudem das historische Archiv in den Kellerräumen aus dem Jahr 1920, das Teil des Staatsarchivs ist. Sobald es die Sicherheitslage zulässt, soll das Archivmaterial geborgen und mit Unterstützung des Roten Kreuzes an einen geeigneten Ort gebracht werden, um dort gereinigt und restauriert zu werden.

In einer späteren Phase soll laut Bianchi über eine Ausschreibung die Planung für den Wiederaufbau des beschädigten Gerichtsgebäudes vergeben werden. Er hob zudem die Zusammenarbeit der beteiligten Stellen sowie die Solidarität gegenüber der Gerichtsbarkeit hervor.

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